Donnerstag, 14. März 2019Sonstiges

Busfahrer aus Spanien
Busfahrer aus Spanien

Deutsche Busunternehmen kämpfen um spanische Fahrer.

Personalnot - Verkehrsbetriebe suchen Busfahrer

München, Deutschland – Thüringen, 13.03.2019.  Der Busunternehmer Kunz beklagt seit Jahren den Fahrermangel in Deutschland. Die guten Arbeitsmarktzahlen, die mangelnde Bereitschaft, den Beruf des Kraftfahrers zu erlernen und der demografische Wandel machen der Transportwirtschaft das Leben schwer.

Schon in den 90er Jahren zeigten sich die ersten Probleme am Fahrermarkt. Jedoch konnte man Engpässe durch Umstrukturierung und Mehrarbeit der Stammbelegschaft ausgleichen. Seit mehr als 15 Jahren ist häufig auch das nicht mehr möglich. Linien können nicht befahren oder Schichten nicht besetzt werden. “Die Busse stehen still”, so der Transportunternehmer Kunz. Nicht nur, dass man seinem öffentlichen Auftrag nicht nachkommen kann, auch der Umstand, dass man Umsatzeinbußen zu verkraften hat, bereitet ihm Sorgen. In Deutschland sind zudem die Führerscheine teuer. Das führt zu einem wachsenden Fachkräftemangel. Dem öffentlichen Personennahverkehr ÖPNV fällt es schwer, Fahrer zu gewinnen. Und wenn sich mal ein Fahrer vorstellt, so Kunz, dann nur, um seine Arbeitsbemühungen vor dem Jobcenter zu rechtfertigen, nicht, um als Fahrer zu arbeiten.

So wie Herr Kunz können auch andere Busunternehmer nur noch mit großer Anstrengung, das Streckennetz aufrechterhalten. Auch in Hessen und Baden-Württemberg kommt es zu Ausfällen oder Verspätungen von Linienbussen. Das Stammpersonal bekommt dies durch erhöhten Stress und unzufriedene Fahrgäste zu spüren.

Die gesamte Transportwirtschaft leidet unter dem Fahrermangel. Man kann es im gesamten Bundesgebiet sehen. Dies weiß auch der Personaldienstleister TTA zu berichten. Das deutsch-spanischen Unternehmen ist seit acht Jahren am Markt. Der Geschäftsführer Vicente Milán beschreibt die Situation folgendermaßen: “Wir werden aus allen Bundesländern angefragt. Der größte Bedarf ist im Öffentlichen Personennahverkehr”.  Da man aus Deutschland keine Fahrer mehr bekommt, müssen Busunternehmen schon seit Jahren das Personal aus dem Ausland rekrutieren. Jedoch bricht der osteuropäische Markt zunehmend weg. Daher orientiert sich die deutsche Transportwirtschaft Richtung Westen, genauer gesagt, Richtung Südwesten. Das ist das Erfolgsrezept von TTA. Die von TTA vermittelten Fahrer kommen aus Spanien.

Auf der iberischen Halbinsel gibt es eine Vielzahl gut ausgebildeter Fahrer. Sie sind motiviert und freuen sich auf eine stabile Beschäftigung, die sie in Spanien immer seltener finden. Auch wenn sich der spanischen Arbeitsmarkt erholt hat, ist der Bedarf an Busfahrern seit Jahren rückläufig. So schauen die Fahrer über den spanischen Tellerrand hinaus. Der deutsch-spanische Personaldienstleister TTA gewinnt seit mehr als acht Jahren spanisches Fahrpersonal für den deutschen Arbeitsmarkt. Besonderes Augenmerk liegt auf der Vermittlung von Busfahrern. Der spanische Personalvermittler, Vicente Milán: “Deutschland bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten im Transportwesen. Die Bezahlung ist gut und die Beschäftigung stabil. Genau das, was in Spanien fehlt”.

Das Geschäftsmodell von TTA bietet Arbeit in Spanien und Fahrer in Deutschland. Beide Länder profitieren von der Fahrervermittlung aus Spanien. Das Geschäft brummt, berichtet der deutsche Part von TTA, Oliver Nordt. “Wir organisieren alle zwei Monate Sprachkurse. Diese finden parallel an verschiedenen Standorten in Spanien statt.” So gelingt es mehrere Hundert Fahrer pro Jahr nach Deutschland zu vermitteln. “Auch größere Projekte sind kein Problem”, so Nordt weiter, “wir haben Projekte mit einer Größenordnung von bis zu 30 Fahrern realisiert.”

So finden auch in diesem April 2019 neue Sprachkurse statt. Dieses Mal in Barcelona. “Wir werden insgesamt 40 Fahrer in den Kurs setzen”, so Vicente Milán, um der erhöhten Nachfrage Rechnung zu tragen.  Die Fahrer werden Beschäftigungen in Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen und Hessen finden. Meist geht es um den Öffentlichen Personennahverkehr. Für die spanischen Fahrer ist das Erlernen der deutschen Sprache eine gute Investition in die Zukunft. Die Fahrer sind motiviert. Miguel, ein Fahrer der seinen Dienst im März 2019 aufnahm, sagt: “Aller Anfang ist schwer, mit ein bisschen Humor kann man aber auch schwierige Situation meistern”. Zu Arbeitsbeginn sind die Deutschkenntnisse noch etwas holperig. Die spanische Art hilft aber, Kommunikationsprobleme zu überwinden. Die Fahrer sind freundlich und dienstleistungsorientiert. Sie meistern Anfangsschwierigkeiten mit einem Lächeln. Ein Lächeln, das auch viele Geschäftsführer wieder haben. Sie können wieder aus dem Vollen schöpfen. Das Stammpersonal spürt eine deutliche Entlastung: Verspätungen und Überstunden gehören der Vergangenheit an.

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